Risikoabschätzung

In allen Anbaugebieten des INTERREG-Gebiets wurde ein aktueller, akuter Befall mit Apfeltriebsucht gefunden. Obwohl die gewonnenen Daten nur eine kleine Stichprobe für jedes Anbaugebiet darstellen, zeigen sie doch, dass in allen Regionen das Potenzial für eine weitere Ausbreitung der Krankheit vorhanden ist, d.h. es gibt ausreichend Infektionsquellen in Form befallener Bäume und es gibt in allen Regionen Populationen des Hauptüberträgers C. picta.
Entsprechend diesem Befund wurden im Jahr 2005 in allen Anbaugebieten infektiöse Tiere von C. picta gefunden. Obwohl die Populationsdichten von C. picta in allen Gebieten sehr niedrig sind, ist doch ein hoher Prozentsatz der überwinternden Adulten infiziert. Diese infizierten Tiere tragen extrem hohe Konzentrationen an Phytoplasmen in sich und sind Zeit ihres Lebens infektiös, d.h. es ist anzunehmen, dass ein einzelnes Tier in der Lage ist, mehrere Bäume einer Anlage zu infizieren. Aus diesem Grund stellen auch niedrige Populationen von C. picta ein großes Risiko für eine weitere Ausbreitung der Krankheit dar. Demgegenüber stellen andere in der Literatur als potentielle Überträger beschriebenen Arten (C. melanoneura, Fieberiella florii) kein Risiko für die Ausbreitung der Apfeltriebsucht in den Anbaugebieten der INTERREG-Region dar.
Im Projektzeitraum 2005 - 2007 konnte eindrucksvoll beobachtet werden, dass die Psylliden-Populationen natürlicherweise von Jahr zu Jahr stark schwanken können. Weitere Untersuchungen müssen nun zeigen, ob die Schwankungen im Auftreten der Apfeltriebsucht - wie sie in der Vergangenheit beobachtet wurden - mit den Schwankungen der Überträger-Populationen erklärt werden können.

Die bislang zur Verfügung stehenden Daten reichen nicht aus, um eine genauere, gebietsspezifische Risikoabschätzung zu erlauben. Vor allem konnte bis jetzt eine entscheidende Frage nicht geklärt werden: erfolgt die Ausbreitung der Krankheit durch die Überträger vorwiegend lokal innerhalb einer Anlage bzw. zwischen benachbarten Anlagen oder eher regional, in dem sich die im Frühjahr von ihren Überwinterungswirten zurückkehrenden, infektiösen Tiere mehr oder weniger gleichmäßig über ein größeres Gebiet verteilen?



Bekämpfungsempfehlungen

Die neuen Daten zur Übertragung der Apfeltriebsucht durch C. picta zeigen, dass eine weitere Ausbreitung der Krankheit nur verhindert werden kann, wenn es gelingt, die Infektionsquellen zu reduzieren. Eine direkte Bekämpfung von C. picta ist zur Zeit im INTERREG-Gebiet nicht erfolgversprechend (s. Überträger -> Bekämpfungs-empfehlungen). Es werden daher folgende Maßnahmen empfohlen:

  1. Vermeidung des Eintrags der Krankheit in Junganlagen durch latent infiziertes Pflanzgut
  2. Rodung infizierter Bäume vor der Rückkehr von C. picta in die Anlagen im März. Die Rodung sollte so erfolgen, dass keine Wurzelaustriebe mehr möglich sind. Die Maßnahme ist umso erfolgversprechender je konsequenter, koordinierter und flächendeckender sie durchgeführt wird.




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